Die sicherste Methode, ein Kind im Auto zu sichern, ist ein alters- und gewichtsgerechter, korrekt montierter Kindersitz in Verbindung mit dem Fahrzeuggurt oder einem integrierten Gurtsystem. Entscheidend ist nicht allein das Produkt, sondern die richtige Einauweise und Positionierung im Fahrzeug. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Kindersitze, häufige Fehler und sinnvolle Zusatzausrüstung für Familien.
Welcher Kindersitz ist für welches Alter geeignet?
Die Wahl des richtigen Kindersitzes richtet sich in erster Linie nach Gewicht und Körpergröße des Kindes, nicht allein nach dem Alter. In der EU gilt die ECE-R129-Norm (auch i-Size genannt), die Sitze nach Körpergröße klassifiziert. Grob lassen sich drei Phasen unterscheiden: Babyschale, Kindersitz für Kleinkinder und Sitzerhöhung für ältere Kinder.
Babys und Kleinkinder (ca. 0 bis 4 Jahre)
Neugeborene und Babys reisen in einer Babyschale, die rückwärts gerichtet montiert wird. Diese Schalen sind für Kinder bis etwa 85 cm Körpergröße ausgelegt. Danach folgt ein Kindersitz der Gruppe 1, der ebenfalls möglichst lange rückwärts gerichtet genutzt werden sollte.
Kinder ab etwa 4 Jahren bis 12 Jahren
Ab einer Körpergröße von rund 100 cm kommen Sitze der Gruppen 2 und 3 zum Einsatz, also Sitzerhöhungen mit und ohne Rückenlehne. Kinder sollten den normalen Fahrzeuggurt erst dann nutzen, wenn sie mindestens 150 cm groß sind und der Gurt korrekt über Schulter und Becken verläuft, nicht über den Hals oder Bauch.
Rückwärts oder vorwärts gerichtet – was ist sicherer?
Rückwärts gerichtete Kindersitze sind für Kleinkinder sicherer als vorwärts gerichtete. Bei einem Frontalaufprall verteilt ein rückwärts gerichteter Sitz die Aufprallkräfte gleichmäßig über Kopf, Nacken und Rücken. Vorwärts gerichtete Sitze belasten bei einem Aufprall stark den Nacken des Kindes, da der Körper nach vorne geschleudert wird.
Viele europäische Länder empfehlen daher, Kinder so lange wie möglich rückwärts zu transportieren, mindestens bis zum zweiten Lebensjahr, idealerweise bis zu einer Körpergröße von rund 105 cm. Moderne i-Size-Sitze unterstützen diese längere Nutzung rückwärts gerichteter Positionen ausdrücklich.
Wie befestigt man einen Kindersitz richtig im Auto?
Ein Kindersitz wird entweder über das ISOFIX-System oder den Fahrzeuggurt befestigt. ISOFIX ist die sicherere und einfachere Methode: Der Sitz rastet direkt in standardisierte Verankerungspunkte im Fahrzeug ein und kann sich bei einem Aufprall nicht verschieben. Wichtig ist, dass der Sitz fest sitzt und kein seitliches Spiel hat.
Beim Einbau über den Fahrzeuggurt muss der Gurt exakt durch die vorgesehenen Führungen des Sitzes geführt werden. Jede Abweichung davon kann im Ernstfall zu einer Fehlfunktion führen. Nach dem Einbau gilt die Faustregel: Wenn Sie den Sitz am oberen Rand mit einer Hand mehr als einen Zentimeter bewegen können, sitzt er nicht fest genug.
Zusätzlich sollte bei vielen Sitzen ein sogenannter Top-Tether-Gurt an einem dafür vorgesehenen Ankerpunkt im Fahrzeug befestigt werden. Dieser verhindert, dass der Sitz bei einem Aufprall nach vorne kippt.
Was sind die häufigsten Fehler beim Kindersitz?
Die häufigsten Fehler beim Kindersitz sind falscher Einbau, zu lockere Gurte und das zu frühe Wechseln in eine größere Sitzklasse. Selbst ein hochwertiger Sitz schützt nicht ausreichend, wenn er nicht korrekt installiert ist oder das Kind nicht richtig gesichert wird.
- Zu lockerer Gurt: Der Brustgurt sollte so eng anliegen, dass man höchstens zwei Finger flach darunter schieben kann. Zu viel Spielraum bedeutet zu viel Bewegung beim Aufprall.
- Falscher Einbauort: Der sicherste Platz für einen Kindersitz ist der Rücksitz. Der Beifahrersitz ist nur geeignet, wenn der Beifahrerairbag deaktiviert ist, besonders bei rückwärts gerichteten Sitzen.
- Dicke Winterjacke anlassen: Kinder sollten im Sitz keine dicke Jacke tragen. Der Gurt liegt dann nicht eng am Körper an und verliert bei einem Aufprall seine Schutzwirkung.
- Zu früher Wechsel zur nächsten Gruppe: Viele Eltern wechseln den Sitz zu früh, weil das Kind die Knie anwinkeln muss. Das ist kein Problem und kein Grund zum Wechsel.
- Kein Top-Tether-Gurt: Wenn der Sitz einen Top-Tether vorschreibt, muss dieser auch verwendet werden. Ohne ihn ist der Sitz nicht vollständig gesichert.
Welche Sicherheitsausrüstung gehört zusätzlich ins Auto?
Neben dem Kindersitz gehört eine Grundausstattung an Sicherheitsausrüstung in jedes Fahrzeug, das regelmäßig mit Kindern genutzt wird. Dazu zählen Warnweste, Verbandskasten und ein Werkzeug für Notfallsituationen wie einen eingeklemmten Gurt oder blockierte Türen.
Eine Warnweste ist in vielen europäischen Ländern gesetzlich vorgeschrieben und sollte für jede Person im Fahrzeug vorhanden sein, also auch für Kinder. Sie muss im Innenraum griffbereit liegen, nicht im Kofferraum. Im Falle einer Panne oder eines Unfalls ist sie das Erste, was Sie anlegen, bevor Sie das Fahrzeug verlassen.
Ebenso sinnvoll ist ein Sicherheitshammer, der im Ernstfall dabei hilft, einen blockierten Sicherheitsgurt zu durchtrennen oder eine verklemmte Tür zu überwinden. Gerade bei Familienfahrten, bei denen Kinder angeschnallt auf dem Rücksitz sitzen, kann ein solches Werkzeug im Notfall wichtige Sekunden sparen. Wichtig: Ein Sicherheitshammer funktioniert ausschließlich bei Seitenscheiben aus gehärtetem Glas (ESG), nicht bei laminiertem Verbundglas wie der Frontscheibe.
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